Nach dem Ablegen am frühen Vormittag empfing uns der Passatwind mit stabilen 16 bis 18 Knoten aus Ostnordost. Die Überfahrt nach Guadeloupe verlief absolut bilderbuchmäßig: Wir setzten das Großsegel und die Genua, trimmten die Schoten auf einen bequemen Halbwindkurs und ließen das Schiff mit gut sieben Knoten durch das tiefblaue Meer schneiden. Die Gischt sprühte gelegentlich über das Vorschiff, doch die Passatwärme trocknete jeden Tropfen innerhalb von Minuten. Kathi stand am Steuer und hielt Ausschau nach Treibgut und Fischernetzen, während Tom in der Seekarte die Wassertiefen an der Riffkante überprüfte.

Die Ansteuerung der Bucht erforderte etwas Aufmerksamkeit. Zwischen den beiden vorgelagerten Korallenköpfen zeichnete sich eine schmale, etwa sechs Meter tiefe Sandrinne ab, die im steilen Mittagslicht leuchtend hellgrün schimmerte. Wir bargen rechtzeitig die Segel, fuhren unter Maschine langsam hinein und ließen den Anker auf vier Metern Wassertiefe fallen. Der Grund aus feinem Korallensand bot sofortigen Halt – beim obligatorischen Rückwärts-Eindampfen mit 2000 Umdrehungen grub sich das Eisen unerschütterlich ein. Mit der Kettenkralle entlasteten wir die Ankerwinsch, um lästige Knarzgeräusche in der Nacht zu vermeiden.
Kaum war das Schiff aufgetucht, sprangen wir mit Schnorchel und Maske direkt von der Badeplattform ins handwarme Wasser. Schon nach wenigen Zügen umkreiste uns eine neugierige Schildkröte, die gemächlich am Seegras zupfte. Am späten Nachmittag fuhren wir mit dem Beiboot an den Strand. In einer rustikalen Holzbar tranken wir frisch gepressten Limettensaft mit einem kräftigen Schuss lokalem Rum, lauschten den sanften Reggaeklängen und plauderten mit einem kanadischen Seglerpaar über die besten Ankergründe im Süden. Als die Dämmerung hereinbrach, spiegelte sich der glutrote Abendhimmel auf der spiegelglatten Wasseroberfläche – pure Magie.

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